CARPALTUNNELSYNDROM
Syndrom des Carpaltunnels
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28 Extremitätenschmerzen
28.2 Armschmerzen
28.2.1 Untera rmschmerzen
28.2.1.3
Syndrom des Carpaltunnels
Patienten mit einem Carpaltunnelsyndrom klagen häufig über nächtlich betonte Schmerzen, in vielen Fällen sogar beiderseits.
Beim Carpaltunnelsyndrom handelt es sich um ein Nerven-Engpass-Syndrom bzw. Nervenkompressionssyndrom (Kompressionsneuropathie) des Nervus medianus infolge einer mechanischen Reizung im Canalis carpi (= Handwurzelkanal) unter dem Ligamentum carpi transversum (= ein Halteband, das den Handwurzelkanal bedeckt).
Häufige Ursachen für ein Carpaltunnelsyndrom:
brüche mit deformierender Heilung (Radiusfraktur (= Speichenbruch)perilunäre Luxation (= "Verrenkung" im Bereich eines Handwurzelknochens))
Steigerung des Druckes im Tunnel, z.B. infolge einer Tendosynovitis (= Sehnenscheiden-Entzündung)
Ödembildung (= Ansammlung von Gewebsflüssigkeit),
Metabolitenablagerung (= Ablagerung von Stoffwechselprodukten) oder auch (selten):
Bindegewebswucherung
Wie in der Tabelle schon erwähnt, kann ein Carpaltunnelsyndrom durch hormonale Faktoren (Klimakterium (= Wechseljahre), Gravidität (= Schwangerschaft), Hypophysen- (= Hirnanhangdrüse) und Schilddrüsenerkrankungen) begünstigt werden. Die Beteiligung der genannten Faktoren läßt vermuten, daß an der Ausbildung des Carpaltunnelsyndrom s das sympathische Nervensystem wesentlich beteiligt ist. Dies deckt sich mit unserer Erfahrung, daß wiederholte Pl exus brachial is-Blockaden (siehe unten) sehr viel bessere Resultate als selektive Medianus-Blockaden aufweisen. Die selektive Blockade des Nervus medianus eignet sich zur Diagnostik.
In die differentialdiagnostischen Erwägungen (= was außer einem Carpaltunnelsyndrom sonst noch an Krankheiten infrage kommt) müssen die Dupuytren-Kontraktur (= Zwangsbeugung der Finger infolge Hüllgewebsschrumpfung) und das Pseudo- Carpaltunnelsyndrom, bei dem die Sehne des Muskel s flexor digitorum den Nerv komprimiert, mit einbezogen werden.
Patienten mit einem
Syndrom des Carpaltunnels
klagen über meist
brennende
Schmerzen in der (mittleren)
Hand
und des angrenzenden
Unterarm
es, vor allem
bei Dorsalflexion (= Überstreckung
der Han d). Die Schmerzen
können bis zur Schulter ausstrahlen. Je nach Ausmaß der Störung treten
Hypästhesien
und Parästhesien (= herabgesetzte
Empfindung und Mißempfindungen),
Kältegefühl und Hyperhidrose (=
übermäßige Schweißbildung),
später auch Atrophie (=
Gewebsschwund) der
Daumenballenmuskulatur (Abduktor-Opponens-Atrophie) hinzu.
Der brennende
Schmerz
charakter gibt manchmal Anlaß zur Verwechslung mit einer
Kausalgie.
Untersuchungen beim Carpaltunnelsyndrom:
Röntgen von Hand und Handgelenk, evtl. auch Halswirbelsäule, oder das Karpaltunnel direkt
Elektroneurographie (ENG))
Elektromyographie (EMG)
Zum Ausschluß hormonaler Faktoren sollte eine endokrinologische (= die Hormondrüsen betreffende)) Abklärung erfolgen. Evtl. noch Ultraschall, CT, MRT und medizinisches Labor (Diabetes mellitus?, Gicht? rheuma tische Krankheiten?)
Therapie beim Carpaltunnelsyndrom:
Hilfreich ist beim Syndrom des Carpaltunnels ein Schienenverband der Ha nd in Mittelstellung
Bei endokrinologischen (= die Hormondrüsen betreffenden) Auffälligkeiten eine entsprechende kausale (= auf die Ursache gerichtete) Therapie
Zunächst Versuch mit wiederholten, distalen (= nahe dem Han dgelenk) Nervenblockade n (= Betäubung) des Nervus medianus, auch mit Kortikoidzusatz
Im fortgeschrittenen Stadium, bei Veränderungen im EMG (= elektrische Muskeluntersuchung), ist die operative Spaltung des Ligamentum carpi transversum erforderlich
Bei Persistenz (= Weiterbestehen) der Beschwerden kontinuierliche Blockade des Plexus brachialis mit Katheter
Nicht wenige Patienten kommen zum Schmerztherapeut oder in die Schmerzklinik, weil trotz Carpaltunnelsyndrom -Operation weiterhin starke Schmerzen bestehen. Es hat sich gezeigt, daß auch in dieser Situation die kontinuierlichen Blockade des Plexus brachialis in vielen Fällen sehr hilfreich ist. Dieser Aspekt wirft doch die Frage auf, warum diese Behandlung nicht schon vor der Operation erfolgte ??
Methodenbeschreibung
Therapeutische
Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem
örtlichen Betäubungsmittel)
kontinuierliche Blockade des Plexus
brachialis mit Katheter
Ein nicht zu
unterschätzender Vorteil dieser Behandlungsmethode ist, daß neben der
erwünschten Hemmung der Nozizeption (=
Schmerzreizleitung),
sozusagen als Nebeneffekt, auch vegetative Nervenfasern (=
unwillkürliches Nervensystem)
mit einbezogen sind, dies gilt insbesondere für den Plexus brachialis (=
großes Armnervengeflecht).
Die daraus resultierende sympathikolytische (=
gefäßerweiternde)
Wirkung führt zu einer sehr deutlichen Mehrdurchblutung, die jeder entzündlichen
(z.B.
Sehnenscheidenentzündung)
oder degenerativen Schmerzursache
schon fast kausal (= ursächlich) entgegenwirkt.
Auch bei Verwachsungen (z.B. nach Operationen) ist die sympathikolytische
Nebenwirkung hilfreich, indem die entstandenen, bradytrophen
(= mit herabgesetztem, verminderten Stoffwechsel einhergehende)
Gewebsbereiche besser durchblutet werden und es dadurch zu einer Optimierung der
gestörten Mikrozirkulation kommt.
Bei der kontinuierlichen Blockade des Plexus
brachialis (= Armnervengeflecht)
mit Katheter wird im Bereich der Innenseite des Oberarmes, nahe der Achselhöhle
in örtlicher Betäubung der Armnerv mit einer Kanüle aufgesucht. Dann wird
durch diese Kanüle hindurch ein dünner Kunststoffschlauch in die Nervenscheide
(den Nerv umhüllendes Gewebe) eingeführt und nach oben, zur
Schulter hin,
vorgeschoben. In den nächsten 2-3 Wochen wird der Kunststoffschlauch mehrmals täglich
(bei Bedarf auch nachts) mit einem
örtlichen Betäubungsmittel aufgefüllt. Die
Konzentration des Wirkstoffes wird so gewählt, daß die aktive Beweglichkeit
erhalten bleibt, die Schmerzempfindlichkeit jedoch deutlich herabgesetzt oder
aufgehoben ist. Im Stadium der deutlichen Schmerzlinderung oder Schmerzfreiheit
kann dann intensiv und vor allem sinnvoll krankengymnastisch behandelt werden.
Nach neueren Erkenntnissen kann diese intensive Blockadetherapie das sog.
Schmerzgedächtnis löschen, auch beim schmerzhaften Carpaltunnelsyndrom.
k u 3.1.06 www.carpaltunnelsyndrom.at